Montag, 15. April 2013

Trash of the Dead - Trashfilmabend in München (Teil 1)

Trashfilme sind schon etwas Besonderes. In der Regel von Cineasten ignoriert, im besten Fall belächelt, belebten sie in den VHS-Jahren die Regale der Videotheken mit grell überzeichneten Covermotiven und versuchten dabei nicht selten einem Trend zu folgen, bevor dieser wieder abflachte. Im Gegensatz zu modernem Trash von Firmen wie Asylum können viele dieser Heuler aber auch tatsächlich unterhalten. Budgetmängel wurden zu der Zeit nicht überredet, sondern einfach durch Improvisation überspielt. Logik war dabei eher zweitrangig und schauspielerisches Talent komplett überschätzt.

Wenn dann alles zusammenkommt, erhält man ein peinliches Werk, das aber gerade dadurch unfreiwillig zu unterhalten weiß. Dass dabei Alkohol und die richtige Gesellschaft aber durchaus eine Rolle spielen können, sollte man dabei aber nicht unterschätzen.

Mit Khalil Böller kenne ich einen ausgewiesenen Experten der Trashologie, der auch nicht davor zurückschreckt, für obskure Kleinstauflagen eine stattliche Summe hinzulegen. So komme ich von Zeit zu Zeit in den Genuss, einige ausgewählte Kleinode in bester Gesellschaft konsumieren zu können. So auch dieses Wochenende, das stilecht mit Pizza eröffnet wurde.


Zu jedem Film wird auch Khalil einen Gastkommentar hinterlassen, der meine subjektive Sicht der Dinge um einige interessante Fakten und eine zweite Sichtweise bereichert. Khalil ist übrigens auch Mitglied beim Celluleute-Podcast-Team und dort – wen wundert’s – eher für die kuriosen Sachen Spezialist. Aber kommen wir zu den Filmen.

Andreas: Den Anfang machte Karate, Küsse, Blonde Katzen, den ich gern in Titten, Titten, Titten umbenennen würde. Letztendlich hüpfen die nämlich ständig durch's Bild. Dazu gesellt sich Bud Spencer-Synchro, ein paar mehr oder weniger gute Kampfszenen und die Olivenkerne of Death. Leider, leider, leider sorgte die DVD auf der PS3 für einige Probleme bei der Wiedergabe ab der zweiten Filmhälfte, was den Filmgenuss dann etwas beeinträchtigte. Nichtsdestotrotz ein grandioser Opener, der auch mit überschaubaren Alkoholpegel zu unterhalten wusste. Eine Handlung gibt’s auch, die allerdings eigentlich nur darin besteht, dass sechs Frauen von bösen Asiaten entführt und zu Sex gezwungen werden. Oder auch nicht. Innerhalb weniger Tage werden sie zu topless Ninjas of Death und spucken sich mit Olivenkerne in die Freiheit. Das Schöne: der Film ist tatsächlich so dämlich, wie es sich hier anhört.



Khalil: Es handelt sich hier um die einmalige Zusammenarbeit zwischen den Shaw Brothers, die quasi im Alleingang das HongKong Kino hochgezogen haben und bekannt geworden sind mit Filmen wie "18 Kammern der Shaolin" und Ernst Hofbauer, der mit Sexklamotten wie "Schulmädchenreport" groß geworden ist, und das Ergebnis ist sozusagen einzigartig in der Filmlandschaft - deutsche Sexklamotte meets Eastern Film. Politisch herrlich unkorrekt, zum Teil sehr abstruse Kampfszenen und Techniken, ah, und natürlich die Synchro, die meines Erachtens extrem viel zur guten Laune beiträgt - Sprüche wie "das schmeckt wie Oma unter der Achsel" hört man heute einfach viel zu selten im Kino. ;)

Andreas: "Besser" wurde es dann mit Endgame, einem italienischen Endzeitheuler. Ein Raimund Harmstorf-Stunt-Double stümpert sich durch die ständig gleichen Kulissen, wärmt Mad Max zum gefühlt 1000sten mal auf und zeigt, dass D'Amato vor allem eins nicht hatte: eine klare Vision einer postapokalyptischen Welt. Stattdessen gibt es nur Versatzstücke, die aber immerhin schon Elemente von Running Man vorwegnehmen und das 16:9-Format bei Fernsehern. Der Rest sind billige Kostüme, die von einem WW2-Dreh noch rumlagen, billigst auf Endzeit getrimmte Fahrzeuge (Decke/Fell übern Motorradsattel = Endzeit, ein makelloser Mercedes-Sprinter-Vorgängermodell...) und ein Cast, der sich nicht einmal Mühe gibt, so etwas wie Schauspielerei vorzutäuschen. Vor allem der Hauptdarsteller bleibt bis zum Ende so blass, dass man ihn gar nicht so wirklich wahr nimmt. Dass die Handlung null Sinn ergibt und selbst Fäden bei schwebenden Steinen sichtbar sind, ist da sowieso nur noch das i-Tüpfelchen. Mit anderen Worten: ein wahres Highlight!



Khalil: Endgame aka Bronx lotta finale ist ein Endzeitheuler von Joe D´Amato, dem wir Filme wie "Man Eater" zu verdanken haben und der meines Wissens nach einer unfassbaren Reihe von schlechten SF, Horror, Krimi und Sexfilmchen sein Dasein bis zu seinem Tod mit dem Dreh von Pornos gemacht gefristet hat - sprich, ein Regisseur, der zu den ganz Großen des italienischen Filmbetriebs gehört.

Und entsprechend bietet Endgame quasi Versatzstücke aus diversen SF Streifen, nur eben in besonders schlecht - Running Man Action (wobei sich der Hauptdarsteller da so bescheuert anstellt, dass man sich schon fragen kann, wie er überhaupt so weit kam), Bösewichte im Nazi-Fetisch-Design (stilecht mit Gasmaske, 2 WK Helm und SS Runen, die allerdings die Bedeutung "Security Service" hatten), harte Endzeittypen, die eher wie aus einem Fantasy LARP ausgeschaut haben (mit Axt) und der Asiate stilecht den Namen "Ninja" hatte. Dazu noch Endzeitvehikel mit Waffen (naja, Endzeitvehikel ist fast schon zu viel gesagt), Mutanten mit telepathischen Kräften (hatte den Vorteil, wenig schauspielern zu müssen), noch mehr abstruse Gegner (blinde Killermönche) & Mutanten, die zu Tiermenschen degeneriert wurden - vom Affenmensch bis zum Fischmensch ist da alles dabei.

Mein persönlicher Favorit ist allerdings der Obermutant, der Fischmann himself, der stilecht auf einem Buggy mit 2 "Schönheiten" angeritten kam, leider habe ich kein besseres Bild gefunden:



Irgendwie konnte man anhand der beiden Damen es schon verstehen, dass der Mutant sich dann lieber mit Laura Gemser, oh Entschuldigung, ich meine natürlich Moira Chen (Gemser wollte seriös rüberkommen, deswegen hat sie ihren echten Namen genommen) vergnügt hat. ;)

Ach, vergessen wir natürlich nicht das Setting, dem man kaum angemerkt hat, dass man in einem verlassenen Industriegelände bei Rom gedreht hat und diverse Gebäude mehrmals in Szene gesetzt hat und natürlich die Darsteller, allen voran George Eastman, der einfach zu der Zeit eine coole Sau war.
Jedenfalls, der Film ist ein Fest für Freunde des Endzeitfilms.

Weiter mit Teil 2

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