Sonntag, 12. Mai 2013

Movies of the Dead: B-Film-Basterds-Filmfestival in Nürnberg

Tief beeindruckt vom letzten Jahr hab ich mich auch dieses Jahr wieder auf den Weg nach Nürnberg gemacht, um mich dem totalen Filmgenuss hinzugeben.

Einmal mehr hat das Badmovies-Team eine tolle Auswahl zusammen gestellt, das dieses Jahr vom Buio Omega-Team verstärkt wurde. Die sorgten dann auch für die ganz besonderen Schmankerl, bzw. eine filmische Rarität, die man so sicher nicht jeden Tag zu sehen bekommt. Zum Glück.

 
 
Wie auch schon letztes Jahr war ich auch dieses Jahr nur am Samstag vor Ort. Die Location war dieses Mal schnell gefunden und eine provisorische Tageskarte schnell erworben, auch wenn dafür etwas improvisiert werden musste: 
 
 
 
Beim ersten Film des Tages musste ich aufgrund der Zugverbindung leider passen, aber dafür gab's mit
 
 
für mich zum Einstand gleich ein besonderes Schmankerl.
 
B-Film-Spezialist Charles Band und Stuart Gordon veranstalteten 1990 ein wahres Spektakel, das allein an den Effekten gemessen durchaus passabel daher kommt. Hier sind die Effekte noch von Hand gemacht und auch aus heutiger Sicht noch konsumierbar.
 
Etwas magerer kommt da leider die Story daher, die nach einem nuklearen Krieg spielt, die die Welt in zwei Fraktionen gespaltet hat. Also wieder mal. Oder immer noch.
 
Über Kämpfe mit riesigen Robotern, bzw. Mechs, werden in dieser postnuklearen Zukunft Kriege entschieden, bzw. um Länder gekämpft. Die Mechs werden im Inneren von Kriegern gesteuert, deren Kontrollen der Wii oder Kinect-Steuerung nicht unähnlich sind.
 
Nun schickt die Ostallianz mit Alexander einen besonders grausamen Kämpfer in die Schlacht, der auch nach einem Sieg nicht davor zurückschreckt, den Gegner komplett zu zerstören. Für die Westallianz tritt Achilles an, der seinen genetisch gezüchteten Kameraden noch immer weit überlegen ist. Doch schon schnell wird klar, dass ein Spion die Westallianz unterwandert hat und Pläne für Geheimwaffen an die Ostallianz übermittelt.
 
So weit, so Reißbrettstory, wie es sie in den 80ern und frühen 90ern zu Hauf gab. Von den Mechs vielleicht mal abgesehen.
 
Richtig witzig wird es dann, wenn beim Versuch Zuschauer vor einer fehlgeleiteten Faust (!!!) zu beschützen, mehr Zuschauer zu Schaden kommen, als die Faust jemals hätte ausrichten können. Auch großartig der Endkampf, wenn die Mechs in die Stratosphäre aufsteigen um dort... genau gar nichts zu machen. Wahrscheinlich waren noch ein paar Dollar für die Special Effects übrig. Dafür hat die Zentralverriegelung für's Auto die Ausmaße eines Kofferradios, erlaubt dafür aber das Auto über eine "App" fernzusteuern. Immerhin. Das Beste: Der Film ist komplett auf Youtube:
 
 
Schlechter wurde es dann mit
 
 
Das liegt vor allem daran, dass in diesem Film nichts passiert. Zur Einleitung werden minutenlang Archivaufnahmen von irgendwelchen Flottenmanövern und der Wasserung einer Raumkapsel gezeigt, die die Rückkehr einer Raummission darstellen sollen. Danach gibt es vor allem viel fahrende Autos zu sehen. Die Kamera ist mal im Auto, dann wieder in einem anderen Wagen davor platziert. Anschließend wurde das Material zusammengeschnitten, ohne irgendwie zusammen zu passen.
 
Weil es sich bei unseren Helden um Höhlenforscher handelt, wird weiter gefahren und gefahren und die Zeit mit irgendwelchen Nichtigkeiten überspielt, bis irgendwann klar wird, dass die Raumkapsel etwas auf die Erde gebracht hat, was hier nichts zu suchen hat.
 
Das Grauen nimmt seinen Lauf. Also das Grauen, dass der Zuschauer empfindet. Wenn dann am Ende in einer angeblich entvölkerten Welt noch munter Autos durch den Morgenverkehr rollen, dann ist das quasi das i-Tüpfelchen auf einem Film, bei dem man am meisten mit seiner Müdigkeit zu kämpfen hat.
 
 
Besser wurde es mit
 
 
Der ist dem hier unlängst vorgestellten Karate, Küsse, Blonde Katzen gar nicht so unähnlich. Im Prinzip lüften ein paar mehr oder weniger hübsche Damen ihre Oberweite und stümpern sich durch eine mehr als magere Handlung, bei der es darum geht, dass Sportler als menschliche Ersatzteillager für reiche Zahlungswillige entführt werden. Richtig schlecht wird's, wenn die Damen zu Nahkampftaktiken übergehen und dem Zuschauer dabei eher Mitleid hervorrufen, als gefährlich zu wirken.  
 
Richtig gut macht den Film aber die Rainer Brandt-Synchro, die so herrlich politisch unkorrekt aus den Boxen dröhnt, wenn Asiaten als "Schlitzi" oder "Mein gelber Bruder" tituliert werden. Heutzutage ein Unding, ist die Synchro ein schönes Zeitdokument darüber, wie sich die Wahrnehmung anderer Kulturkreise in unserer Gesellschaft verändert hat.  
 
 
Der darauf folgende Film war ein Mitbringsel der Buio Omega-Besucher.
 
 
Bei einem Film von 1982 ist der Vergleich natürlich ungerecht, aber aus heutiger Sicht erscheint das Werk wie eine Mischung aus Team America und GI Joe.
 
In einer nicht näher definierten Zukunft existiert eine Organisation, in der die besten Kämpfer aller Nationen dienen, um in Krisengebieten hinter den feindlichen Linien schnelle Einsätze durchzuführen.
 
Weil man einem feindlichen Panzerkommandant nicht habhaft werden kann und ein Einsatz hinter der Grenze einen Zwischenfall provozieren könnte, schickt man die Megaforce, um einen Einsatz hinter der Grenze durchzuführen. Dabei wird ein Zwischenfall provoziert. Ja. So doof sind die.
 
Aufgrund des Zwischenfalls darf die Megaforce nicht mehr zurück und ist ihrem Schicksal überlassen. Naja, nicht ganz. Ausfliegen ist nämlich anscheinend erlaubt. Ja. So doof sind die.
 
Dafür kann der Rest überzeugen. Den Effekten und der Ausstattung sieht man das solide Budget von rund 20 Millionen Dollar an, die Dialoge gleichen sich der Story an und wissen dadurch durchaus zu unterhalten. Richtig gut wird's am Ende, wenn der ständig Kopfband und hautengen Bodysuit tragende Held endlich die zwei Knöpfe seines Motorrads drücken darf und... Aber schaut das lieber selber.
 
Das Beste hab ich mir nämlich bis zum Schluss aufgehoben: Auch der Film ist komplett auf Youtube:
 
 
Der letzte Film des Abends war dann eine ganz besondere Rarität. Auf Youtube hab ich jetzt nicht mal einen Trailer gefunden.
 
 
Die Besonderheit an dem Film ist, dass 40 Minuten davon aus einem italienischen Softporno stammen, der Rest mit deutschen Schauspielern, die ihren italienischen Pendants teilweise nur mit viel Phantasie ähnlich schauen, nachgedreht wurde.
 
Zur Handlung kann man gar nicht so viel erzählen, denn eigentlich gibt es keine. Menusch (oder so) geht in die Welt hinaus, weil sie ficken will. Das tut sie dann auch ausgiebig. Also zumindest ihr deutsches "Double". Am Ende hat sie plötzlich neun Kinder und ein als Pfarrer verkleideter Mafiaboss will sie von der Pille überzeugen und sie anschließend verführen. Tjo. Das war's. Mehr gibt's nicht.
 
Um wenigestens irgendwas zeigen zu können, klau ich bei meinem Zombie-Schriftsteller-Kollegen Xander Morus, der so manchen Augenblick aus natürlich rein dokumentarischem Interesse auf Bild gebannt hat.


 
Für die geklauten Bilder hab ich Xander auch noch ein kurzes Statement abgerungen:
 
"Tatsächlich gibt es das nur auf Festivals wie diesen: man sieht Filme die sich in das Gehirn einbrennen. Mega Force werd ich nie vergessen! Xander Morus"
 
Mein Dank an das Organisationsteam für das vergossene Herzblut, die tolle Filmauswahl und ihrem Bemühen, diese Klassiker einem neuen Publikum näher zu bringen. Wer da nächstes Jahr dabei sein will, sollte sich die Seite bookmarken.
 
Wer noch mehr lesen will, sollte auch beim Wortvogel vorbeischauen.


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